Kunstwerk(e) des Monats aus dem Jahr 2014

Kunstwerk des Monats März

Verfasst von D. Fellrath am . Zuletzt aktualisiert am 19. Juni 2014

Betonköpfe

Betonköpfe ~ Kunstwerk des Monats März 2014

Im März sehen wir Plastische Arbeiten aus Beton. Die Künstlerinnen besuchen das Neigungsfach in der Kursstufe 2 (Abi 2014) bei Herrn Fellrath. [Ein Klick ins Bild bringt Sie zur Großansicht, oben bildschirmfüllend, unten im neuen Fenster bildschirmüberfüllend.]

Betonkoepfe 

Der etwas provokative Titel verweist eher auf Starrheit und Unbelehrbarkeit. Aber andersherum ist es auch als eine scherzhafte Betitelung einer großen gemeinsamen Kunst Aktion zu sehen und zu verstehen.

Zugrunde liegt dem Projekt das seit 2013 neue Thema der Kursstufe "Figur und Abstraktion", was sich mit Bildhauerei auseinandersetzt.

Die Schüler beschäftigen sich im theoretischen Teil mit der Reihe der Bildhauer Michelangelo, Rodin, Giacometti, Gormley. Ihre erste künstlerisch praktische Arbeit ist ein Selbstportrait in Lebensgröße. Erste Erfahrungen der Arbeit mit Ton gehen meist auf die 5. und 6. Klasse zurück. Wenn man nicht in der 10. Klasse im Themenbereich "Design" Keramik gemacht hat, ist das einige Jahre her. Es sind aber SchülerInnen, die Kunst als Leistungsfach gewählt haben und denen die Aufgabe daher zuzutrauen ist. Dennoch bedeutet es einen sehr großen auch handwerklichen Arbeitseinsatz besonders auch des Lehrers auch außerhalb der Unterrichtszeiten.

Zunächst erhalten die SchülerInnen ein vom Lehrer geschweißtes sog. Kopfeisen, das auf eine Holzplatte montiert ist. Daran befestigen sie sog.
Schmetterlinge und tragen dann Ton als Kernvolumen an. Im Laufe von ca.
6-8 Doppelstunden modellieren sie vom Kern aus an die Oberfläche. Die Plastik soll allansichtig sein. Auf Plastizität und Lichtverlauf muss geachtet werden. Nach jeder DS wird die langsam entstehende Plastik feucht und luftdicht verpackt.

Ist die Tonarbeit nach gegenseitiger Korrektur und Detail Arbeit mit dem Spiegel fertig und gut, wird abgegossen. Mit dünnem Flugzeugblech wird die Form zweigeteilt. Dann wird der Modellgips mit einer typischen Kunstgießer Handbewegung angeworfen, damit jedes Detail abgebildet wird. Das muss der Lehrer machen, der das an einer Kunstakademie gelernt haben muss. Die SchülerInnen helfen erst wieder beim Auftragen des Gipses bis zur vollen Schichtdicke von min. 3 cm. Hat der Gips abgebunden, werden die Trennbleche herausgezogen und die beiden Negativ Formen vorsichtig abgenommen und mit Wasser ganz von Tonresten befreit. Der Ton selbst wird vom Kopfeisen abgenommen und gelangt in die Ton Kiste zur Wiederverwendung. In einer DS schafft man so je 2 Abgüsse: wenn man schnell genug ist und voll organisiert, denn Gipsarbeit erfordert unbedingt professionelles Handwerk. Kein Schritt darf misslingen.
Nach einer Trocknungszeit von 1-2 Wochen (z.B. Ferien oder Theorie Phase um Abstand zu gewinnen) erfolgt dann der Guss. Die zusammengesetzten 2 Negativformen werden mit Draht fest verschnürt, dann in einer großen Mörtelwanne 10 min. gewässert und die Fugen zu gespachtelt. Wenn das gehärtet ist, wird in die nasse Gips Negativform das Isoliermittel geschüttet und mehrfach ausgiebig ausgeschwenkt.
Werkstattgeheimnis: das gelingt nur mit Pottasche, eigentlich ein Backtriebmittel, verdünnt höchstens 1:1 mit Wasser!

Wichtig: die Nässe ist unbedingt erforderlich, weil Gips hygroskopisch ist und im trockenen Zustand dem frisch eingegossenen Beton das Wasser entziehen würde, wonach dieser nicht mehr abbinden, also nicht fest genug erhärten würde.

Die Gips Negativform wird nun umgekehrt in einen Sandkasten gesetzt, oft zu schwierig zu erreichen, daher haben wir Kunststoff Blumeneimer kostenlos von Lidl genommen, wo genau ein Kopf rein passt.

Ein zweites End Kopfeisen wurde wieder vom Lehrer geschweißt und in die Negativform gelegt. Dann wird der Beton, in unserem Fall Estrichbeton als Fertigmischung nach Anweisung mit Wasser angemacht. Der Sack wiegt 10 kg, ca. 4 kg brauchen wir pro Kopf. In einer Mörtelwanne wird der Beton etwas flüssiger als vorgeschrieben angemacht, Klumpen frei verrührt und in geschmeidigem Zustand in die Negativform eingegossen.

Wichtig: die Form muss nun gerüttelt werden, weil durch die Vibration der Beton erst auch an die Feindetails gelangen muss und keine Luftblasen bilden soll. Das End Kopfeisen wird nun mit Draht so justiert, dass es gerade ist und auf keinen Fall die Gipsform berührt.

Nun erfolgt wieder eine Trockenzeit, nach 2 Wochen (wieder Theorie) freuen sich die SchülerInnen auf das Endergebnis. Die nun sehr schwere Gips-Beton Form legt man am Besten auf eine Styroporplatte und meißelt vorsichtig immer seitlich schlagend in echt bildhauerischer Manier den Gips ab bis die nun neue endgültige Betonform erscheint. Dies wird zum Schluss wieder in der Mörtelwanne mit klarem Wasser gewaschen.

Inzwischen wurden bei einem Sägewerk (Joos in Bodnegg, sehr kompetent, sehr kunstfreundlich) 60 cm hohe Baumscheiben ca. Ø 35 cm bestellt und geliefert. Die in den Beton fest eingegossenen Kopfeisen haben eine angeschweißte Gewindeschraube, mit der sich nun die Betonköpfe leicht in das Holz eindrehen lassen. -> Voilà, das Werk ist fertig !!! In Reihung noch besser. Es ist etwas, was aus der Schule direkt ins Leben geht, dazu gehört.

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